HfG-Archiv Ulm
Di-Fr 11-17 Uhr, Sa, & So11-18 Uhr
Aktuelles BannerEin Argentinier in Ulm – Tomás Maldonado 1922-2018
Aktuell

Ein Argentinier in Ulm: Tomás Maldonado 1922-2018

Zum 100. Geburtstag erinnern das HfG-Archiv und die Stiftung Hochschule für Gestaltung HfG Ulm an den großen Theoretiker und Gestalter.

Am 25. April 1922 vor 100 Jahren wurde Tomás Maldonado in Buenos Aires, Argentinien geboren. Mit seiner Tätigkeit an der Hochschule für Gestaltung Ulm (HfG) und seinen damals verfassten Essays und Vorträgen trug Tomás Maldonado wesentlich dazu bei, dass die HfG das Bauhaus als Vorbild hinter sich lässt und aktiv zur Herausbildung des Berufsbildes des modernen Industriedesigners beiträgt.

Zwischen 1958 und 1968 veröffentlichte die HfG, getragen von der Geschwister-Scholl-Stiftung (heute Stiftung Hochschule für Gestaltung HfG Ulm), 21 Ausgaben der hochschuleigenen Zeitschrift „ulm“. Sie diente als Chronik, zur Vorstellung der Ergebnisse aus Unterricht und Forschung und regte Debatten zu unterschiedlichen Themen an. Die darin veröffentlichten theoretischen Texte von Tomás Maldonado sind bis heute eine wichtige Lektüre. Nicht zuletzt deshalb gilt die HfG Ulm als eine der Quellen für die Designtheorie in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Sein ehemaliger Mitarbeiter an der HfG Ulm, Gui Bonsiepe, charakterisierte in Tomás Maldonados Denken eine „Vorliebe für pensiero discorrente (gegenläufiges Denken), eine Abneigung gegen monokausale Erklärungen, ein Misstrauen gegenüber Entmaterialisierungstendenzen, eine Kritik an technologisch-politischer Naivität, […] ein Bestehen auf Nachprüfbarkeit, eine militante Rationalität, eine Vorliebe für lucidité (und somit eine Abneigung gegen romantische Verschwommenheit), ein Gespür für historische Zusammenhänge, eine Bereitschaft, Fachgrenzen zu überschreiten […]“

An der Academia Nacional de Bellas Artes, Buenos Aires, als Maler ausgebildet, publizierte Tomás Maldonado bereits am Beginn seiner Laufbahn theoretische Schriften, darunter in der von ihm herausgegebenen Zeitschrift „nueva vision“.Die HfG Ulm war 1953 als Nachfolgeeinrichtung des Bauhauses von Inge Aicher-Scholl, Otl Aicher und Max Bill gegründet worden. Wegen Max Bill war Tomás Maldonado nach Europa gekommen; in dessen Züricher Haus lernte er das Ehepaar Aicher-Scholl kennen; auf Einladung von Max Bill kommt er nach Ulm.

Seit 1954 in Ulm, gehörte er von 1955 bis 1967 als Dozent zum Lehrkörper der Hochschule für Gestaltung Ulm (HfG). Von 1955 bis 1960 war er Vorsitzender des Rektoratskollegiums, 1962 bis 1964 Prorektor, 1964 bis 1966 Rektor. 1961 bis 1966 leitete er zudem die Entwicklungsgruppe 6 (e6) an der Hochschule für Gestaltung. Das Konzept der „Nachhaltigkeit“ ist spätestens seit Anfang des 21. Jahrhunderts in aller Munde, doch wurde es an der HfG Ulm bereits in den 1960er Jahren diskutiert. Tomás Maldonado hat sich nach seinem Weggang von Ulm (1967) weiter mit diesen Fragen auseinandergesetzt und seine Überlegungen in „Umwelt und Revolte: Zur Dialektik des Entwerfens im Spätkapitalismus“ (deutsch, 1972) publiziert.

Nur wenig bekannt in der Bundesrepublik Deutschland, wurde Tomás Maldonado vielfach ausgezeichnet und ist gerade in Italien und in Südamerika in wegen seiner Schriften und seiner langjährigen akademischen Tätigkeit immer noch hoch angesehen. Er verstarb 2018, im Alter von 96 Jahren, in Mailand.

Eine zweibändige Auswahl seiner Schriften erschien 2007 auf Deutsch, herausgegeben von Gui Bonsiepe.

: Jubiläumsvortrag

Sa I 26. November 2022 I 19 Uhr

Mit Prof. Dr. Dagmar Rinker

Kleiner Hörsaal der ehemaligen HfG Ulm

In Zusammenarbeit mit der Stiftung Hochschule für Gestaltung HfG Ulm.

 

 

Newsletter

Bleiben Sie stets mit uns auf dem Laufenden! Mit unserem kostenlosen Newsletter informieren wir Sie gerne über unsere aktuellen Ausstellungen, Veranstaltungen und unser umfassendes Vermittlungsangebot sowie vieles mehr.

Jetzt anmelden
heute