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Ankündigung

Geburtstagsvortrag Otl Aicher – Die Welt als Entwurf

Zum 100. Geburtstag von Otl Aicher am 13. Mai 2022, lädt das HfG-Archiv um 19 Uhr zu einen Vortrag von Dr. Tilman Allert, Autor sowie emeritierter Professor für Soziologie und Sozialpsychologie an der Goethe Universität Frankfurt, in die Mensa der ehemaligen HfG Ulm ein.

Otl Aicher (13. Mai 1922 in Ulm-Söflingen – 1. September 1991 in Günzburg) war einer der führenden Gestalter in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Als Mitbegründer der legendären Hochschule für Gestaltung Ulm (1953–1968), an der er zeitweise die Abteilung „Visuelle Kommunikation“ leitete, setzte er noch immer nachwirkende Impulse in der Gestaltungsausbildung. Seine Werke wurden international ausgestellt und sind bis heute Vorbild für Generationen angehender Gestalter*innen.

Otl Aicher gestaltete nicht nur im Bereich der Grafik. Er schrieb, er unterrichtete, er philosophierte. Vor allem war er immer ein politisch denkender und agierender Mensch. Er hatte sich bereits als Jugendlicher geweigert, der Hitlerjugend beizutreten. Deshalb ließ man ihn nicht zum schriftlichen Abitur zu. 1943 wurden seine Freunde Sophie und Hans Scholl vom Nazi-Unrechtsregime ermordet. In den letzten Kriegswochen desertierte er, womit er riskierte, standrechtlich erschossen zu werden. Zeit seines Lebens übte er Widerstand. Zeit seines Lebens war Otl Aicher ein politischer Mensch, der sich für politische Themen einsetzte. Er nahm an Ostermarschen teil, demonstrierte gegen die Wiederbewaffnung und die atomare Aufrüstung.

Die Bedeutung Otl Aichers für die Designgeschichte im 20. Jahrhundert ist dabei unbestritten: Mit den Erscheinungsbildern für die XX. Olympischen Spiele 1972 in München oder für die Deutsche Lufthansa legte er wegweisende Entwürfe vor. Sie haben bis heute nichts von ihrer Faszination eingebüßt. Otl Aicher als offizieller Gestaltungsbeauftragte der XX. Olympischen Spiele 1972 in München, entwarf zusammen mit seinem Team ein Gestaltungskonzept, dem die Berliner Olympiade als negative Vorlage diente. Es vermied bewusst jeglichen Pathos, Gigantismus oder Prunk. Alle Entwürfe der 11. Abteilung des Olympischen Komitees zielten darauf, eine ganz bestimmte Atmosphäre zu schaffen, frei von Vorurteilen oder nationalen Rivalitäten, dafür voller Offenheit, Toleranz und Heiterkeit.

In Ulm-Söflingen am 13. Mai 1922 geboren studierte Otl Aicher nach Kriegsende zunächst ab 1946 Bildhauerei an der Akademie der Bildenden Künste in München. Bereits 1948 eröffnet er in Ulm ein eigenes Grafikbüro mit dem er 1967 nach München umzieht. 1952 heiratet Otl Aicher Inge Scholl. Gemeinsam mit ihr und Max Bill gründen sie 1953 die Hochschule für Gestaltung in Ulm, mit dem Ziel, das Leben in Deutschland nach dem Ende des Faschismus neu zu denken und zu organisieren. Sie orientierten sich dabei an den Ideen der Moderne. Gut gestaltete Industrieprodukte sollten einem jeden zu Wohlstand und einem guten Leben in einer demokratisch organisierten, freien Gesellschaft verhelfen.

Otl Aicher wird im Jahr der Gründung der HfG der erste Dozent für visuelle Kommunikation. 1956 wird er Mitglied des Rektoratskollegiums, von 1962 bis 1964 alleiniger Rektor. 1958 ist Otl Aicher Gastsprofessor an der Yale University und 1959 Gastprofessor in Rio de Janeiro. 1967 wird Otl Aicher mit der visuellen Gestaltung für die XX Olympischen Spiele 1972 in München beauftragt. Unter anderem entwirft er Piktogramme für die einzelnen Sportarten, die bis heute international verwendet werden. Otl Aicher entwickelt ebenso das Erscheinungsbild für Unternehmen wie u.a. Braun, FSB, ERCO, Lufthansa, ZDF, Westdeutsche Landesbank, Dresdner Bank, Sparkasse und Raiffeisenbank. Auch entwarf er Erscheinungsbildern für Städte wie Isny oder Bad Gastein. 1972 zieht Otl Aicher nach Rotis im Allgäu. Dort gründet er 1984 das Rotis Institut für analoge Studien. 1988 entsteht die Schriftfamilie Rotis. Otl Aicher stirbt nach einem Verkehrsunfall am 1. September 1991 in Günzburg.

: Eine Veranstaltung im Rahmen des Begleitprogramms zur aktuellen AusstellungOtl Aicher 100 Jahre 100 Plakate„, bis 08. Januar 2023, HfG-Archiv/Museum Ulm.

Ohne Anmeldung und Reservierung.

Eintritt frei.

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