HfG-Archiv Ulm
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Das HfG-Archiv

Gebäude

»ein luftbild. wie von einem stadtmodell. vorn vor schwarzer wälderkulisse weisse gebäude, kuben, flach. kristalle mit fenstern, vielen fenstern, wie aus einem baukasten ein rechter winkel in einen hang gepuzzelt. dahinter im dunst, unordentlich, grau in grau, das gewirr der stadt. darüber, wie ein schemen vor dem glänzenden band der donau, das massiv des münsters, weit abgerückt, verschwindend. vergangenheit, die vergeht. vorn, weiß, die blöcke der zukunft. eine lichte burg der zukunft.«

»und es gibt keinen anblick, der dem anderen gliche. die schule umwandern heißt sie in bewegung setzen. es gibt keinen punkt, auf den hin eine zentrale fassade gebaut wäre. von jedem punkt um die schule herum erscheinen die baumassen anders gegliedert, immer aber bietet sich ein scheinbar geschlossenes, endgültiges bild. nirgends tritt eine volumenkonzentration auf und nirgends ist ein zentrum erkennbar. außer dem 4stöckigen wohnturm sind alle gebäude höchstens 2stöckig. terrassengleich steigen sie den hang hoch. der beherrschende eindruck: grazilität, bewegtheit, vieldeutigkeit …«

(Bernd Rübenach: der rechte winkel von ulm. Rundfunkessay 1959. Darmstadt 1987.)

»Bei der Konzeption der Hochschulgebäude in Ulm war es meine Absicht, unkomplizierte Raumfolgen und Möglichkeiten des Gebrauchs, komplex, wie sie sind, miteinander in Beziehung zu bringen. Der Ort sollte einen speziellen Charakter haben; zugleich wollte ich, dass Zusammenhänge wie ein roter Faden sichtbar werden. Der einheitliche Eindruck der Gebäude resultiert vielleicht auch daher, dass alles das Einfachstmögliche war.«

(Max Bill in: »form. Zeitschrift für Gestaltung«, Heft 144, 1993, S. 51-52.)

Das Gebäude der HfG Ulm ist eines der ersten Bauten in Deutschland, das in Stahlbeton-Skelettbauweise errichtet wurde. Für alle Konstruktionsteile, alle Außenflächen und sichtbaren Innenwände wurde der Sichtbeton in glatten Schalungen gegossen. Die Fenster sind in Holzverbund ausgeführt, die Türen ebenfalls aus Holz.

Nach Osten erstrecken sich die Studentenwohnhäuser. Im Wechsel von Flach- und Hochbau stehen zwei Atelierreihen und ein vierstöckiger Wohnturm, alle verbunden durch einen langen Gang. Die Häuser, in denen ein Teil der Dozenten wohnten, befinden sich in unmittelbarer Nähe, westlich vom Schulgebäude.

Die Raumfolge des Schultraktes macht nachvollziehbar, wie Max Bill das Ausbildungskonzept der HfG architektonisch umgesetzt hat. Kern des Lehrplans bildete die praktische Gestaltungsarbeit, die in den großzügig angelegten Werkstätten stattfinden konnte. Die Werkstatträume waren verbunden und durchlässig, nach der Idee einer großen interdisziplinären Arbeitsstätte. Im obersten Geschoß dominiert eine Halle mit den Gips-, Holz-, Kunststoff- und Metallwerkstätten auf der einen, und den Typografie- und Fotowerkstätten auf der anderen Seite. Hier oben befanden sich auch die Räume der Abteilung Produktgestaltung, Visuellen Kommunikation und Bauen. Ein Geschoß darunter waren die Räume für die Grundlehre, die Abteilung Information und die Filmabteilung angesiedelt.

Der Campus bestimmte den Tagesablauf, die Zusammenarbeit und das Zusammenleben zwischen Studenten und Dozenten, bedeutete sowohl Wohn- und Lebensraum als auch Arbeits- und Lehrstätte.

Weil der Gebäudekomplex nicht im Zentrum einer Stadt liegt, musste er für die Benutzer Außergewöhnliches leisten. Bill betont die Analogie mit einem Dorf, Mensa und Theke übernehmen in seinen Planungen die Funktion des im Mittelpunkt befindlichen Platzes. Die Theke, einzig geschwungenes Element innerhalb der Gesamtanlage der HfG, stellt einen einladenden Ort für viele Menschengruppen dar und bietet gleichzeitig kurze Bedienwege. Von der Mensa durch variable Wände abgetrennt, befindet sich die Aula, ein Raum für Festlichkeiten, Konzerte oder Vorführungen.

Alle Innenausbauten und Möblierungen wurden aus dem Gedanken einer flexiblen Nutzung entwickelt. Wie zum Beispiel der Ulmer Hocker, diesen besaßen in der Anfangszeit der Hochschule alle Studenten und Dozenten. Ob nun als Sitzgelegenheit, tragbares Tablett oder Tisch, man nutzte ihn wie er gebraucht wurde und nahm ihn dorthin mit wo er gebraucht wurde. Die Hocker funktionierten in den Unterrichtsräumen genauso gut wie in der Mensa, in den Zimmern des Wohnturmes oder auf der Terrasse.

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